Acht Jahre sind vergangen, seit die Nachfahren der sogenannten „Kartoffeldeutschen“ zuletzt in Sulzfeld zu Gast waren. Nun ist die Delegation aus Jütland wieder an den Ort zurückgekehrt, aus dem einige ihrer Vorfahren im 18. Jahrhundert nach Dänemark aufbrachen. Der erneute Besuch im Jahr 2026 stand damit ganz im Zeichen von Erinnerung, Familiengeschichte und der Verbindung zwischen der alten und der neuen Heimat.
Die Geschichte der „Kartoffeldeutschen“ reicht zurück bis in die Jahre zwischen 1759 und 1764. Damals flossen die Probleme der Überbevölkerung und Missernten zusammen und so suchte man nach einer besseren Zukunft. Allerdings wollten viele Familien dem damaligen Ruf von Amerika nicht folgen und so kam der Aufruf des dänischen Königs Friedrich V. sehr gelegen. Einige machten sich somit auf den Weg zu dem nicht ganz so weit entfernten Jütland. Sie sollten dort die Moor– und Heidelandschaften nutzbar machen und besiedeln. Unter den Auswanderern befanden sich auch Familien aus dem heutigen Kraichgau.
Die Lebensbedingungen in der neuen Heimat waren allerdings weitaus schwieriger als erhofft. Der karge Heideboden ließ sich nur mühsam bewirtschaften. Viele verschiedene Feldfrüchte brachten über die Jahre kein Erfolg. Die Auswanderer brachten aber die Kartoffeln in das Spiel, welche sie aus dem Süden mitgebracht hatten. In den folgenden Jahren reifte die Kartoffel in Dänemark zu einem vollen Erfolg. Seit jeher haben die Auswanderer den Spitznamen „Kartoffeldeutsche“ von den Dänen bekommen.
Auf den Spuren der Vorfahren
Für die heutigen Besucher ist die Reise nach Sulzfeld deshalb mehr als ein gewöhnlicher Besuch. Sie führt an einen Ort, der in den Familiengeschichten über Generationen hinweg weitergegeben wurde. Namen, Orte und Erzählungen verbinden die Nachkommen in Jütland mit dem Kraichgau.
Beim Sektempfang im Sitzungssaal des Rathauses wurde die Delegation von Bürgermeister Simon Bolg willkommen geheißen und über die Geschichte der Gemeinde Sulzfeld sowie ihre Entwicklung, aber auch über die Städtepartnerschaften und den Weinbau am Fuße der Ravensburg informiert.
Bürgermeister Simon Bolg erhielt dabei eine große Unterstützung durch Aksel Kramer, der als Dolmetscher, wie auch schon vor 8 Jahren, fungierte. Im Anschluss ging die Reise für die Kartoffeldeutschen weiter zur Burg Ravensburg. Dort erwartete sie unser Weindorfkind mit einer Weinprobe, welche ihnen geschmacklich als auch informell tiefere Einblicke in die Weinbaukultur unser Gemeinde Sulzfeld schenkte.
Geschichte, die über Grenzen verbindet
Bereits beim Besuch im Jahr 2018 hatten sich die Gäste intensiv mit ihrer Familiengeschichte und den Spuren ihrer Vorfahren im Kraichgau beschäftigt. Acht Jahre später bot der erneute Besuch nun Gelegenheit, an diese Begegnungen anzuknüpfen und die Verbindung weiterzuführen.
Die Geschichte der Kartoffeldeutschen ist dabei längst nicht mehr nur eine Geschichte von Auswanderung und Landwirtschaft. Sie erzählt auch von Heimat, Identität und der Frage, was von einer ursprünglichen Heimat über viele Generationen hinweg erhalten bleibt.
Nach acht Jahren sind die „Kartoffeldeutschen“ damit wieder in Sulzfeld angekommen. Und auch dieser Besuch wird sehr wahrscheinlich nicht der letzte bleiben. Denn Familiengeschichte endet nicht mit der Auswanderung – manchmal führt sie Jahrhunderte später wieder zurück an ihren Ausgangs-punkt.
