Staatssekretärin Sabine Kurtz besucht Streuobstbestände im Kraichgau - 5 nach 12

Auf Einladung von Hans-Martin Flinspach von der Streuobstinitiative im Stadt- und Landkreis Karlsruhe e.V. besuchte Staatssekretärin Sabine Kurz die Streuobstwiesen in Sulzfeld und Zaisenhausen. Vom Landtag begleiteten die Abgeordneten Andrea Schwarz und Ansgar Mayr die Vertreterin vom Ministe-rium Ländlicher Raum MLR. Der Erste Landesbeamte Knut Bühler vertrat das Landratsamt Karlsruhe. 
Am Rathausplatz Zaisenhausen hieß Bürgermeisterin Cathrin Wöhrle die Delegation willkommen. Beim Spaziergang im Gewann Mechtershälde ging es zunächst um die Schönheit, die Vielfalt und Harmonie in den Streuobstwiesen. Ein Ort der Ruhe, des seelischen Ausgleichs und der Erholung, den es zu erhalten gilt. Ob für eine schöne Wanderung, fürs Joggen oder Walken sind sie die ideale Kulisse. Natürlich findet mancher Grundstücksbesitzer auch seinen Ausgleich vom Berufsalltag bei der praktischen Pflege der Wiese und der Bäume. 
In Sulzfeld wurde zunächst die Obstbaumreihe mit den Sortenrätseln und der weiter ergänzte, sehr schöne Spielplatz am Streuobsterlebnispfad besichtigt.
Im Anschluss ging es zum Wildobsthof Mitsch mit dem dort neu aufgestellten Verkaufsautomaten.
Bürgermeisterin Sarina Pfründer sowie Silke und Dieter Mitsch berichteten von der Entstehung des Streuobsterlebnis-wegs und der dortigen Direktvermarktung. 
Die Staatssekretärin ging auf die neue Streuobstkonzeption des Landes ein. „Es ist 5 nach 12“, machte Hans-Martin Flinspach von der Streuobstinitiative deutlich. Unübersehbar sind die Pflegerückstände und Schäden, die der Klimawandel mit sich bringt. Daher ist mit einem weiteren Verlust an Streuobstwiesen zu 
rechnen. Wegen der mangelnden Wertschöpfung, vor allem durch die geringen Obstpreise im Verhältnis zum hohen Pflegeaufwand, werden viele Wiesen und Bäume nicht mehr gepflegt. Es bedarf einer Imagekampagne für die Streuobstwiesen und die dort erzeugten Produkte. Mit dem bewussten Einkauf von Streuobstprodukten kann jeder etwas für den Lebensraum tun. Wenn mehr dieser hochwertigen Lebensmittel verkauft werden können, verbessert sich die Nachfrage für das Obst und es erfolgt eine Inwert-Setzung.
Ebenso geht viel Wissen über das Bewirtschaften und Pflegen der Streuobstwiesen verloren. Hierzu hat Herr Flinspach die Idee der Einrichtung eines Kompetenzzentrums für die nordbadische Streuobstregion vorgeschlagen. Hier könnte durch Beispielpflanzungen, Kurse und Schulungen das notwendige Wissen vermittelt werden. In Sulzfeld sind aus seiner Sicht viele günstige Voraussetzungen bereits vorhanden. Alle waren sich einig, dass eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit notwendig ist, um die Streuobstbestände gemäß dem Motto „Schützen durch Nützen“ zu erhalten.

Zum Abschluss trug sich die Staatssekretärin ins Goldene Buch der Gemeinde ein.

Streuobstwiesen sind Ansammlungen von hochstämmigen Bäumen unterschiedlicher Obstarten und -sorten, die soweit Abstand voneinander haben, dass sie genug Licht zum Wach-sen erhalten. Die Streuobstwiesen sind zwar weniger ertrags-reich als die Obstplantagen, aber bieten dafür zahlreichen Tier und Pflanzenarten einen Lebensraum. In dem Gesamtlebens-raum mit vielfältigen, meist mageren Wiesen und Bäumen in unterschiedlichen Lebensphasen wurden über 5000 Arten festgestellt. Die Streuobstwiesen sind damit der artenreichste Lebensraum in unserer landwirtschaftlichen Kulturlandschaft. Über 40 % der Streuobstwiesen Deutschlands stehen in Baden-Württemberg. Daraus erwächst eine sehr große, nationale Verantwortung für diesen Lebensraum.
Die Landesregierung will den Erhalt von Streuobstwiesen stärker fördern und daher 2023 die finanzielle Unterstützung bei der Pflege der Bäume und Wiesen verdoppeln.
 

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