„See you there“ - Junge Kunst aus Leipzig zur Kerwe im Bürgerhaus

Wie ein roter Faden zieht sich das Thema „Junge Kunst“ durch die Veranstaltungen des Sulzfelder Kulturkreises. Im Rahmen der traditionellen Kerwe-Ausstellung stehen vom 25. September bis 16. Oktober 2022 drei Künstler im Fokus, die ihr Meisterschülerstudium bei Annette Schröter in Leipzig absolviert haben.
Jonathan Kraus, Heinrich Mauersberger und Robert Rudat zeigen unter dem Titel „See you there“ erstmals gemeinsam ihre Arbeiten. Sie kennen sich aus Leipzig, wo sie sich in der Klasse Schröter der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig begegneten. Neben ihrem Fokus auf gegenständlich-figürliche Malerei eint sie auch, dass sie ihre künstlerische Laufbahn mit dem Studium an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden begannen.
Die in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Galerie Leuenroth organisierte Ausstellung wird am Sonntag, den 25. September 2022, um 14 Uhr im Bürgerhaus Sulzfeld, Hauptstr. 95, eröffnet. Die einführenden Worte übernimmt Dr. Barbara Martin, Kuratorin der Städtischen Museen Heilbronn. Am Kerwe-Montag ist zusätzlich von 14 bis 18 Uhr geöffnet, ansonsten gelten die üblichen Öffnungszeiten (sonntags 14 bis 18 Uhr, dienstags und donnerstags 16 bis 18 Uhr) oder nach Vereinbarung. Info-Telefon im Rathaus Sulzfeld: 07269/78-0. Eintritt ist wie immer frei!

Jonathan Kraus (*1989) studierte 2010-2014 an der HfBK Dresden, wechselte dann nach Leipzig an die HGB, wo er 2018 als Meisterschüler bei Annette Schröter abschloss. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Kraus richtet in seiner künstlerischen Arbeit seinen Blick mit einem Auge ins Leben, in dem er Menschen seiner unmittelbaren Umgebung wie den Bruder oder Leute von der Straße im Bild inszeniert, doch mit dem anderen Auge gleicht er jedes Sujet mit dem Vorgedachten der zu Ikonen gewordenen Werke der Kunstwelt ab. So lassen sich in seiner cleanen, fotorealistischen Malerei zahlreiche Bezüge bspw. zu Werken von Vermeer über Manet bis zur Pop Art von Warhol und Lichtenstein erkennen. Den größten formellen Kontrast erzeugt er, in dem er die Diskrepanz zwischen künstlichem künstlerischem Bild und der Lebensrealität kommentierend, Obdachlose in peinlich sauberer Manier malt, als seien sie einer Werbetafel ent¬sprungen. Eine besondere Werkgruppe befasst sich mit dem Selbstportrait, das gegen die Erwartung keine introvertierte, suchende Selbsterkundung darstellt, sondern vielmehr die eigene Person beinahe von außen betrachtet in kunsthistorisch-soziologischen Kontexten erprobt.

Heinrich Mauersberger (*1987) studierte 2009-2013 an der HfBK Dresden Malerei/Grafik bei Prof. Elke Hopfe und Prof. Ralf Kerbach und schloss 2016 als Meisterschüler bei Prof. Annette Schröter an der HGB ab. Er lebt und arbeitet in Leipzig. Die Malereien Mauersbergers zeigen meist suburbane, beinahe verlassene Räume, in denen der Mensch indirekt thematisiert wird. In der Hinwendung zu Sujets wie 'Tankstelle' oder 'Stell¬werk' findet der Künstler jene Magie des verdrängten Alltags, die ihm den ehrlichsten Ausdruck der Gegenwart vermittelt. Die Malweise leitet sich vom direkten Sehen ab und viele seiner Werke entstehen plein air. In seinen Gemälden verfolgt Mauersberger einen auf den Realismus bezogenen Ansatz, öffnet jedoch die Form, um der Farbe ihr Eigenleben und sich selbst die Empfindung zu gestatten. So blickt der Künstler gleichermaßen nach außen wie nach innen.

Robert Rudat (* 1981) studierte 2002-2006 an der HfBK Dresden und ab 2011 an der HGB Leipzig, wo er sein Meisterschülerstudium 2019 bei Annette Schröter beendete. Er arbeitet in Leipzig und Dresden, wo er als künstlerischer Mitarbeiter der Szenischen Malerei an der HfBK tätig ist. Meist ist man einer mehr oder weniger konstanten Gruppe innerhalb einer Gesellschaft zugehörig, ohne dies direkt zu wollen oder zu beabsichtigen. Oft blind für die starken Gemeinsamkeiten innerhalb der eigenen Bezugsgruppe verortet sich Identität im Wechsel zwischen Individualität und Zugehörigkeit. Robert Rudat versucht sich diesem Phänomen zu nähern, ohne es entschlüsseln zu wollen. Dokumentarische Mittel sind Teil seines Arbeitsprozesses, um das Verhältnis vom eigenen Ich zum Ich des Gegenübers zu reflektieren. Die Malerei und das ihr innewohnende Wechselspiel zwischen Konkretem und Ausuferndem ist ihm dabei Werkzeug und Anliegen zugleich.

 

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