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Seniorenbeirat: 1250 Jahre Kraichgau: Von der Vielfalt einer kleinteiligen Landschaft – Vortrag Seniorenbeirat hervorragend besucht

Mehr passten nicht rein: Voll besetzt war der Saal Im Bürgerbahnhof, als Franz Kowarsch, Sprecher des Seniorenbeirats, zu seinem Vortrag über den Kraichgau lud. Inhaltsvoll, aber kurzweilig präsentiert war die Veranstaltung ein sehr gelungener Abend. Sein Bruder, Dr. Heinrich Kowarsch hatte die passende Bilderpräsentation dabei, die die geologischen, historischen, gesellschaftlichen und klimatischen Informationen veranschaulichten.
Mit vielen Anekdoten lockerte Franz Kowarsch, früherer Gymnasiallehrer, den Abend auf. Auch die Beschreibung des Kraichgaus der Sulzfelder Mundart-Dichterin Irma Guggolz gab er zum Besten.

Sehr schnell war zu erkennen, dass er nicht nur ein profunder Kenner des Kraichgaus, sondern auch ein leidenschaftlicher Fan seiner Heimat ist.
Dies wird auch in der Anekdote von Franz Kowarsch aus dem Erdkundeunterricht deutlich. Die Schüler fragten ihn, der in seinem Leben die ganze Welt bereiste, wo es denn nun am Schönsten sei? Seine Antwort: „Im Kraichgau!“

1250 Jahre Kraichgau – unsere Landschaft blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. „In pago Creichgowe“, so wird die Lage mehrerer Dörfer bei Bruchsal im Juni 769 beschrieben, und damit ist zum ersten Mal eine Region beim Namen genannt, die heute als „badische Toskana“, als „Land der tausend Hügel“, als „Klein-Italien“ bekannt ist. Das milde Klima verleiht dem Ganzen etwas geradezu Mediterranes.
Als Kraichgau bezeichnen wir jene flache, durch den Schwarzwald im Süden und den Odenwald im Norden eingebettete Senke, in West-Ost-Richtung von Neckar und Oberrheinischer Tiefebene flankiert. Und doch ist der Kraichgau eine Landschaft mit fließenden und keineswegs klar abgesteckten Grenzen. Von einer Historikerin stammt der Satz, es sei leichter, seine Geschichte nachzuvollziehen als seine Ausdehnung festzulegen. Letztlich aber ist gerade auch diese Ungewissheit über die genauen Abgrenzungen des Kraichgaus, die immer wiederkehrende Frage, welches Dorf denn noch dazu und welches schon zur Nachbarregion gehört, auch ein spezifisches „Erbteil“ unserer Kraichgauer Geschichte.
Denn sowohl die historische Prägung dieser Region wie auch ihr jetziges Erscheinungsbild sind ganz wesentlich durch Kleinteiligkeit bestimmt. Politisch hatte früher fast jedes Dorf einen anderen Ortsherrn; der Kraichgau war ein Land der Ritter und der Burgen, ein allenthalben von Grenzen durchzogener politischer Flickenteppich. Die Realteilung hat die Landschaft in winzige Handtuch-Grundstücke zerlegt, was überall, wo keine Flurbereinigung stattgefunden hat, ihre heutige ökologische Vielfalt ausmacht.
Kleinteiligkeit bedeutet Buntheit, Abwechslungsreichtum, Vielfalt – und dafür ist der Kraichgau ein Beispiel par excellence. Doch gerade deshalb ist es eben auch recht schwer, Klarheit zu erlangen über das Große und Ganze und was „der Kraichgau“ denn eigentlich ist. Aber der Kraichgau lebt seit 1250 Jahren mit seinen fließenden Grenzen, die immer einmal neu gezogen, umgesteckt und wieder anders definiert worden sind (und wohl auch künftig werden). Und er lebt, alles in allem, sehr gut dabei.
Am Ende gab es von den Besuchern viel Lob für Franz Kowarsch für seinen sehr gelungenen und kurzweiligen Vortrag, mit vielen interessanten Informationen über den Kraichgau von seiner Entstehung bis heute. Die verschiedensten Facetten, die Franz Kowarsch dabei beleuchtete, machten den Abend für einen Gewinn für alle Zuhörer.
Anlässlich des Jubiläums 1250 Jahre Kraichgau wurde eine Sonderausstellung über unsere Region konzipiert. Diese wird als Wanderausstellung über das ganze Jahr hinweg in vielen Gemeinden gezeigt. In Sulzfeld macht sie voraussichtlich am 1. Dezember 2019 beim Bürgertag im Rathaus Station. Diese soll ein Gang durch Geschichte, Kultur und Gegenwart einer vielfältigen Landschaft, deren eigentliche Entdeckung gerade erst im Gange ist, sein.