Bürgermeisteramt Sulzfeld
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Am 09. Juni 2011 weilten mit Svetlana Weber und Nikolai Savronov eine russische Delegation aus dem Gebiet Woronesh am Don in Sulzfeld. Begleitet wurden sie von Irina Schwachhofer, die als Dolmetscherin fungierte. In dem ehemaligen Gouvernement Woronesh liegt die im Jahr 1766 von Sulzfeldern gegründete Kolonie Riebensdorf, heute ein russisches Dorf mit dem Namen „Schtschutschije“ mit 800 Einwohnern, die ihren Lebensunterhalt vorwiegend in der Landwirtschaft verdienen.
Im Sulzfelder Ortsfamilienbuch wird in einem ausführlichen Artikel von Dr. Bruno Adler darüber berichtet, dass „Kolonisten aus der Grafschaft Ravensburg aus dem Ort Sulzfeld, Amt Eppingen, nicht weit von Heilbronn, im Jahr 1766 im Distrikt Woronesh den Ort Riebensdorf gegründet haben.“ Die Sulzfelder waren, wie viele andere Deutsche im 18. Jahrhundert, dem Werben der russischen Zarin, Katharina der Großen, gefolgt und nach Russland ausgewandert, um dort ihr Glück zu suchen. Kostenfreies Land, Steuerfreiheit und Freistellung vom Militärdienst, wurden ihnen versprochen. Der Autor des Artikels im Ortsfamilienbuch hatte den Ort Anfang des 20. Jahrhunderts aufgesucht. Als Besonderheit stellte er heraus, dass sich diese Gemeinde als deutsche Enklave über 140 Jahre im russischen Gebiet gehalten hat. Er belegte dies mit der Sprache und der Kultur, die nahezu unverändert geblieben waren. In dem Bericht beschreibt er u.a. auch den Anfang des 20. Jahrhunderts dort noch gesprochenen Dialekt und erwähnt dabei exemplarisch die Getreidearten „Waiza“ (Weizen), „Kerschta“ (Gerste) und „Hawar“ (Hafer). Allerdings wurde diese Sprache von dem Wissenschaftler irrtümlich dem Schwäbischen zugeordnet.
Der von Sulzfeldern gegründete Ort muss sehr schnell zu Wohlstand und Reichtum gekommen sein, denn von dort aus wurden 20 weitere Tochterkolonien in Russland gegründet.
Im 2. Weltkrieg waren in der Gegend um Riebensdorf starke Kampfhandlungen. Etwa auf der Höhe dieser Siedlung, rund 400 km südlich von Moskau, ist der deutsche Vormarsch in Russland zum Stehen gekommen. Viele Nachkommen der Auswanderer nach Russland sind im 2. Weltkrieg in Straf- und Arbeitslager nach Sibirien deportiert worden. Nach Stalins Tod 1955 wurden die meisten von ihnen nach Kasachstan umgesiedelt. Von dort sind viele Nachkommen deutscher Auswanderer wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Die Nachbildung eines Kahnes aus der Jungsteinzeit, gefunden in der Nähe von Riebensdorf, erhielt Bürgermeisterin Sarina Pfründer als Gastgeschenk.
Auf dem Bild von links: Hauptamtsleiter Bernfried Hettler, die Pressesprecherin Svetlana Weber, die Dolmetscherin Irina Schwachhofer, Bürgermeisterin Sarina Pfründer und Dr. Nikolai Safronov.
Der Kontakt war über den Geschäftsführer des in Walldorf ansässigen Unternehmens Ekosem-Agrar, Stefan Dürr, hergestellt worden. Die von ihm gegründete Firma betreibt in Russland im Bezirk Woronesh, unweit von Riebensdorf, das Tochterunternehmen Ekoniva, dessen Pressesprecherin Svetlana Weber ist. Der erfolgreiche Unternehmer Stefan Dürr ist für sein unternehmerisches Wirken mit dem Auf- und Ausbau der deutsch-russischen Handesbeziehungen in beiden Ländern ausgezeichnet worden. Dr. Nikolai Safronov bemüht sich um den Aufbau der Heimatmuseen im Distrikt Woronesh, u.a. auch in Riebensdorf. Die Gäste zeigten sich sehr interessiert an der Geschichte der Gemeinde Sulzfeld. Ihr besonderes Interesse galt den Spuren der Kolonisten und den Gründen für deren Auswanderung. Über die damalige Situation im Kraichgau informierte Hauptamtsleiter Bernfried Hettler.
Bürgermeisterin Pfründer stellte die Struktur und die Geschichte der Gemeinde Sulzfeld vor. Im Heimatmuseum erhielten die Delegationsteilnehmer einen Einblick in die Lebensweise der Sulzfelder im letzten Jahrhundert. Die Vorsitzende der Heimatfreunde Friedlinde Merz führte durch das Museum. Einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterließ die Mechanik der Turmuhr. Den Abschluss des für die Gäste sehr interessanten Tages in Sulzfeld bildete nach dem Mittagessen eine Führung auf der Ravensburg durch Emil Lüdecke.

Sehr beeindruckt war die russische Delegation vom Modell der Ravensburg, das Emil Lüdecke nach der Burgführung zeigte.
Die Delegationsteilnehmer aus Russland betonten, dass sie an einem weiteren Austausch sehr interessiert sind. Das Unternehmen Ekosem-Agrar mit ihren Tochterfirmen in Russland gehört zu den führenden Unternehmen auf dem Agrarsektor. Neben dem Handel mit Landmaschinen, u.a. ist die Firma Generalvertreter von John Deere in ganz Russland, werden dort auch 160.000 Hektar eigenes Ackerland bewirtschaftet.
Zum Aufbau des Heimatmuseums in Riebensdorf überreichte Bürgermeisterin Pfründer der Delegation, die in Sulzfeld über die Auswanderung vorhandenen Unterlagen sowie die Sulzfelder Ortschronik und das Ortsfamilienbuch.
Dem Unternehmen und den Gästen liegt sehr viel daran, dass die geschäftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland weiter ausgebaut aber auch Begegnungen der Menschen, aus dem Kraichgau und dem Bezirk Woronesh zustandekommen.
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