Bürgermeisteramt Sulzfeld
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Vor kurzem ist in den „Südwestdeutschen Blättern für Familien- und Wappenkunde“ im Band 25 von einem ausgewiesenen Experten auch eine Rezension des Sulzfelder Ortsfamilienbuches abgedruckt worden. Die Ausführungen in dem Fachblatt werden nachfolgend aufgeführt. Insgesamt kann festgestellt werden, dass es eine überaus positive Bewertung dieses 1000 Seiten umfassenden Werkes ist. Bedauerlicherweise erreicht dieses große Lob für das Ortsfamilienbuch den Hauptautor Klaus Rössler nicht mehr. Er ist im vergangenen Jahr nach längerer schwerer Krankheit verstorben. Wer diese positive Besprechung eines anerkannten Experten zum Anlass nehmen möchte, das Buch selbst zu erwerben oder an Verwandte oder Bekannte zu verschenken, kann dies tun. Es ist zum Preis von 52,- Euro beim Bürgermeisteramt, Zimmer 25, erhältlich.
Auf dem Bild links:
Ortsfamilienbuch Sulzfeld 1638-1957, mit Beiträgen von Bernd Breitkopf, Ralf Fetzer, Konstantin Huber, Klaus Rupp, 2. Auflage (2003/2004) Herausgeber Gemeinde Sulzfeld, 10005. mit Abbildungen.
Ein wahrlich schwergewichtiger, umfangreicher, sauber verarbeiteter Band stellt sich vor, der wenige Wünsche offen lässt. Er entspricht typografisch wie inhaltlich den Vorgaben unseres Vereins. Auf Mehrbändigkeit wurde verzichtet, weil insgesamt der Preis nicht günstiger wäre. Wichtig, gerade bei diesem Umfang, ist die gute Lesbarkeit für den Benutzer, denn der Hersteller ist auf jeden Platz angewiesen: Gestaltung und Schrift, die in fetter Versalschrift gesetzten Familiennamen der Probanden und deren weiter- oder rückführende Familiennummern sind eindeutig. Die Einzüge machen den 2-spaltigen Hauptteil (dadurch in diesem Format Platzgewinn) gut lesbar und lassen Sachverhalte gut erkennen - teilweise wurde Kleindruck verwendet. Wenige ungenaue Einzüge sind verzeihlich (z. B. 3451/3, 4333/12, 8395/12). Erstnennungen bzw. der Wechsel zum nächsten Namen sind mit fett geschriebenen Nummern angedeutet. Auch das Bearbeitungsprogramm (Gisbert Berwe, Gen Plus) hält die deutsche Rechtschreibung und Interpunktionen ein, was bei Ahnen-Programmen nicht immer gewährleistet ist.
Das Vorwort des Bearbeiters Klaus Rössler, der dieses umfassende Vielautorenwerk organisiert hat, die Einleitung, allgemeinen Hinweise und die Ortschronik (Bernd Breitkopf) führen hinein in die Welt der Familienkunde und in das Verständnis des Bandes. Kleine Lücken im Kirchenbuch oder Überhänge von Eintragungen in andere Kirchenbücher bzw. Gemeinden sind dokumentiert. Insgesamt wurden Kirchen- und Standesregister, Zeitungsanzeigen, Aushänge und Befragungen ausgewertet. Besonders aus den Aufzeichnungen des Pfarrers Breunlin (1779-1785), der »Leichenpredigten« bzw. Lebensläufe im Totenbuch hinterließ, wurde manche mütterliche Herkunft geklärt. Als Endpunkt in den Eheschließungen wurde zwar das Jahr 1957 gewählt, aber bei einer »Bürgerbefragung« war das Interesse der Sulzfelder erfreulicher Weise so groß, dass die meisten Familien selbst bis in die neueste Zeit geführt werden wollten, so findet auch die junge Generation ihre Vorfahren.
Familiäre Zusammenhänge sind im 765 Seiten umfassenden alphabetischen und in den Familiennamen chronologischen Hauptteil (Klaus Rössler) mit den 8549 Familien klar erkennbar. Interessante aufschlussreiche Anmerkungen dem Kirchenbuch sind aufgeführt, z.B. bei 2798: »1849 als Bürgerauschussmitglied entlassen. Untersuchungsakten wegen Beteiligung am Hochverrat ...«, dafür sind diskrete Bemerkungen (z. B. Selbstmord) weggelassen. Vermutlich wurde auf die Todesursachen leider aus Platzgründen verzichtet. Häufige Familiennamen im Inhalt sind z. B. Antritter, Beck, Beisel, Bregler, Ege, Fischer, Frank, Fundis, Götter, Hagenbucher, Heinle, Klebsattel, Krüger, Maier, Müller, Mehl, Pfefferle (aus Herrenberg), Scheffel, Schmidt, Teutsch, Weiß, Wolfmüller u.v.m. Ein Sonderverzeichnis der »Ortsfremden« gibt es nicht, diese sind wie alle Sulzfelder Familien in den Registern eingereiht. Das Namensregister des Bandes ist in etwas größerer Schrift sehr gut lesbar, ebenso das perfekt geschriebene Ortsregister, das über einen Doppelindex alphabetisch die entsprechenden Familiennamen und -nummern enthält.
Im hinteren Teil geben Quellen- und Literaturhinweise Aufschluss zu nicht nur im Hauptteil verwendeten Daten oder zur Geschichte von Sulzfeld und seiner Umgebung. Es folgen 41 Seiten bemerkenswerter historischer Schwarz-weiß-Fotografien, hauptsächlich von Sulzfelder Personen oder Familien aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die durch ihre Größe auch gut erkennbar sind und einige Sonderseiten mit Bildern sind den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gewidmet. Ein konkretes Verzeichnis von Gefallenen und Opfern der Gewaltherrschaft ist nicht enthalten. 1
Über Bürgerlisten, Lagerbücher, Prozessakten (Ralf Fetzer) bekommt der interessierte Leser in 33 Seiten Zugang zur Personengeschichte des Ortes mit Namensnennungen vor 1650 bis zurück zu den Rugzetteln von 1489.
Ein Kapitel ist die Zuwanderung der Schweizer nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) bis1750 (Konstantin Huber) mit Hintergründen, den wichtigen Namensnennungen, Erstnachweisen und Statistiken zu den Herkunftskantonen und deren Lebensalter.
Es folgen bebilderte Seiten zur Auswanderung von Sulzfeldern nach Russland. Diese erinnern an die vergessene »schwäbisch-fränkische« Kolonie Riebendorf/Rvbenskoje südlich Woronesh. Vielleicht hätte es der bereits 1905 geschriebene Bericht noch verdient, um einige Zeilen zum Verbleib der Bevölkerung im 20. Jahrhundert ergänzt zu werden.
Gesondert wird auch die Geschichte des um 1800 gegründeten Dorfes Neu-Sulzfeld (ab 1820 Nowosolna) in Polen beschrieben. Es ist eine Zusammenstellung zum Leben der dortigen Bevölkerung, wo heute keine deutschstämmigen Einwohner mehr leben.
Der Band schließt mit der bebilderten Geschichte des Gottfried Wilhelm Krüger (Klaus Rupp) und seiner Brauerei in Newark/USA. Krüger erlangte 1860 in Amerika die dortige Staatsbürgerschaft und war bis in seine späten Jahre großzügiger und heimatverbundener Stifter in Sulzfeld. In seiner Brauerei nahm 1935, nach seinem Tode, die Bierdose ihren Anfang.
Das OFB Sulzfeld ist ein thematisch ausgewogener, wirklich gelungener Band mit dem sich gut arbeiten lässt und der, ob seiner inhaltlich wie „körperlichen Fülle", sein Geld wert ist.
Martin Kreder
1 Anmerkung: Auf eine Gefallenenliste wurde verzichtet, da diese in der Sulzfelder Ortschronik enthalten ist.