Bürgermeisteramt Sulzfeld
Rathausplatz 1
75056 Sulzfeld
Telefon 07269/78-0
Telefax 07269/7840
Vor der Gemeinderatssitzung, bei der es um die forstwirtschaftliche Planung für die nächsten zehn Jahre, dem sogenannten Forsteinrichtungswerk, ging, hat sich der Gemeinderat in den Gemeindewaldungen einen Einblick in die aktuelle Waldwirtschaft und die Arbeiten im Zusammenhang mit der Erstellung des Forsteinrichtungswerkes verschafft. Im Bereich des Riethwaldes erklärten die Forstleute, an der Spitze der Referatsleiter der Forstdirektion Freiburg Jürgen Hauck, der Forstingenieur Bernhard Koch sowie von der unteren Forstbehörde beim Landratsamt Karlsruhe, Oberforstrat Bernd Schneble und Revierförster Jürgen Bregler, die Ziele bei der Bewirtschaftung des Gemeindewaldes Sulzfeld. So wurde im Distrikt V des Riethwaldes an konkreten Beispielen die Hauptnutzung des Baumbestands bei gleichzeitiger Einleitung der Verjüngung, in einem anderen Abschnitt mit einem Douglasien-Mischwald die Vornutzung und die Qualifizierungsphase mit einer notwendigen Wertästung, veranschaulicht. Im Distrikt II im Hägenichwald konnten die Forstleute bei einer auf diesem Gebiet anstehenden Hauptnutzung die Fortführung der Verjüngung auf einen Eichenbestand zeigen und an einem Buntlaubholz-Mischwald die anstehende Jungbestandspflege dem Gemeinderat näher bringen.
Bürgermeister Roth fand anerkennende Worte für die Forstleute, denen es bei der Begehung in den beiden Waldgebieten an konkreten Beispielen gelungen war, viele interessante Aspekte der Waldwirtschaft darzustellen.

Der Gemeinderat bei der Waldbesichtigung
Verabschiedung des Forsteinrichtungswerkes für die Jahre 2009 – 2018 für den Gemeindewald Sulzfeld
Die Bewirtschaftung des Waldes ist sehr langfristig angelegt. Bis zu 200 Jahre alt werden manche Baumarten, bis sie geschlagen werden. Was also heute gepflanzt bzw. durch Naturverjüngung an Sämlingen aufgeht, werden erst viele Generationen nach uns ernten.
Durch den Zukauf von 57 Hektar Wald 1998 hat die Gemeinde nun 150 Hektar Waldfläche in ihrem Eigentum. Dazu zählen der Forlenwald, der Teil des Hägenichwalds auf der Gemarkung Sulzfeld, Teile des Riethwaldes westlich der Ochsenburger Straße sowie der Efelderichwald.
Geringfügig größer ist die Waldfläche, die im Eigentum der Freiherren Göler von Ravensburg steht.
Die letzte zehnjährige forstwirtschaftliche Planung, das sogenannte Forsteinrichtungswerk, umfasste ursprünglich den Zeitraum 1997 bis 2006. Bedingt durch die Umstrukturierung der Forstämter, aber auch durch zusätzliche Arbeiten in Folge der Sturmschäden wurde diese forstwirtschaftliche Planung nun erst im Jahr 2008 für den Zeitraum 2009 bis 2018 fortgeschrieben.
Zunächst ging es darum, die Ergebnisse des zu Ende gehenden Planungszeitraums mit den ursprünglichen Planvorgaben zu vergleichen und dann natürlich die waldbauliche Planung für die nächsten zehn Jahre aufzustellen. Diese umfangreiche Arbeit leistete Forstingenieur Bernhard Koch, wobei er vor Ort vom Revierförster Jürgen Bregler unterstützt worden ist.
Die wichtigsten Daten des Forsteinrichtungswerkes präsentierte Koch dem Gemeinderat in der Sitzung. Dabei stellte er fest, dass man vor zehn Jahren einen wirtschaftlich attraktiven Wald zu einem akzeptablen Preis gekauft habe. Eine Million Mark haben die 57 Hektar Wald seinerzeit gekostet.
Bei seinen Erhebungen hat Koch auch die Baumartenanteile in den Gemeindewaldungen ermittelt. Der Anteil der Nadelhölzer liegt bei 41 Prozent. 59 Prozent der Waldfläche sind mit Laubholz bewachsen. Langfristiges Ziel ist es, den Laubholzanteil auf 70 Prozent zu erhöhen. Den größten Anteil beim Nadelholz nimmt die Kiefer mit 22 Prozent der Gesamtfläche, gefolgt von der Douglasie mit 10 Prozent und der Fichte mit 6 Prozent ein. Ein Viertel der Gemeindewaldungen sind mit Eiche gewachsen. Dahinter rangiert die Rotbuche mit 19 Prozent, gefolgt von der Esche mit fünf Prozent und der Hainbuche mit vier Prozent.
Aus der Altersklassenübersicht der Baumarten geht hervor, dass die Gemeinde über eine gesunde Altersmischung in dem Baumbestand verfügt und damit auch die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung gegeben ist. In zeitlichen Abständen von 20 Jahren sind die einzelnen Baumbestände erfasst. 140 Jahre und älter sind immerhin noch 19 Prozent, 120 bis 140 Jahre 17 Prozent und 100 bis 120 Jahre immerhin 34 Prozent des Baumbestandes in den Gemeindewaldungen.
Zur Nachhaltigkeit, dem obersten Prinzip der Waldwirtschaft, gehört insbesondere, dass man nur so viel Holz jährlich schlägt, wie auch nachwächst.
Forsteinrichter Koch hat ermittelt, dass es in den Gemeindewaldungen im Jahr 2008 47.898 Vorratsfestmeter gibt. Das sind 329 Vorratsfestmeter pro Hektar. Ein Vergleich mit dem Jahr 1997 ist durch den zwischenzeitlich erfolgten Waldkauf nicht möglich. Die Vorratsfestmeter gliedern sich in 22.955 Vorratsfestmeter mit Nadelholz und 24.944 Vorratsfestmeter in Laubholz. Beim Nadelholz liegt die Kiefer mit 11.649 Vorratsfestmetern weit voraus, gefolgt von der Douglasie mit 4.785 Vorratsfestmetern und der Fichte mit 4.652 Vorratsfestmetern. Beim Laubholz halten sich die Buche mit 10.083 und die Eiche mit 9.797 Vorratsfestmetern nahezu die Waage.
Im Vollzugszeitraum sind insgesamt 9.211 Erntefestmeter eingeschlagen worden. Davon entfielen auf die Hauptnutzung 1.341 Festmeter und auf die Vornutzung 6.439 Festmeter. Die Jungbestandspflege wurde auf 12 Hektar durchgeführt. An 548 Bäumen erfolgte die sogenannte Wertästung. Kultursicherung musste in dem Zeitraum an 11 Hektar betrieben werden.
Von 1997 bis 2008 wurde im Gemeindewald ein Überschuss von 79.961 Euro erzielt. Bürgermeister Roth machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass die Gewinnerzielung bei der Bewirtschaftung des Gemeindewaldes nicht im Vordergrund steht. Das überaus positive Ergebnis resultiert im Wesentlichen aus den Jahren 2007 und 2008, als mit einem relativ großen Einschlag mit 1.458 Festmetern und der Vermarktung von Wertholz im Jahr 2007 ein Überschuss von 34.7811 Euro und im Jahr 2008 mit einem Einschlag von 1.070 Festmetern ein Überschuss von 20.000 Euro erzielt werden konnte. Es gab aber auch Jahre, in denen die Bewirtschaftung des Waldes defizitär war. So musste die Gemeinde im Jahr 2000 8.675 Euro zuschießen.
In den kommenden zehn Jahren sollen insgesamt 10.857 Erntefestmeter eingeschlagen werden. Davon entfallen auf die Vornutzung 5.900 Erntefestmeter, wobei der Löwenanteil die Durchforstung mit 5.800 Erntefestmetern ausmacht. Im Zuge der Hauptnutzung sollen 4.800 Festmeter geerntet werden.
Das Forsteinrichtungswerk für den Zeitraum 2009 bis 2018 wurde vom Gemeinderat einstimmig verabschiedet.
Bürgermeister Roth bedankte sich bei den Forstleuten, insbesondere dem Forsteinrichter Bernhard Koch für die Erarbeitung dieses umfangreichen Planwerkes und die transparente Darstellung im Gemeinderat.

Forstingenieur Koch und Revierförster Bregler erläutern die Forsteinrichtung für die nächsten 10 Jahre
Verabschiedung des Hiebs- und Kulturplanes für das Forstwirtschaftsjahr 2009
Oberforstrat Bernd Schneble gab zunächst einen Rückblick auf das Forstwirtschaftsjahr 2008. Die Witterung war der Waldgesundheit sehr förderliche. Borkenkäfer und Schmetterlinge haben nur sehr geringe Schäden angerichtet. Er erwartet für das Jahr 2008 einen Gewinn von knapp 20.000 Euro.
Die Entwicklung des Holzpreises im Jahr 2009 sei völlig offen, sagte Schneble. Insoweit sei er mit einer Prognose für den Gewinn sehr vorsichtig. Bei Einnahmen von 40.600 Euro und Ausgaben von 35.200 Euro wird mit einem Gewinn von 5.400 Euro kalkuliert. Aus Holzerlösen wird mit einem Ertrag von 37.400 Euro gerechnet. 12.700 Euro müssen voraussichtlich für den Holzeinschlag aufgewendet und für die Kulturpflege müssen 7.000 Euro bezahlt werden. Die Verwaltungskosten liegen bei 6.500 Euro.
Der Hiebs- und Kulturplan für das Forstwirtschaftsjahr 2009 wurde vom Gemeinderat einstimmig verabschiedet.
Bürgermeister Roth bedankte sich bei Oberforstrat Bernd Schneble und Revierförster Jürgen Bregler für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und bestätigte den Forstfachleuten, dass der Wald bei ihnen in guten Händen sei.